Extrasens-Artikel
Das Feuer der Seele
Von Jörg Lehnert
Das Jahr 1998 hat für mich eine besondere Bedeutung. Damals habe ich die ersten Schritte in einem Beruf tun dürfen, die ich mir ein Jahr zuvor nicht hätte träumen lassen. Heute bin ich seit ca. sieben Jahren als Biosens tätig und bin auf diesem Gebiet dennoch ein Suchender. Ich bin stets auf der Suche danach geblieben, wie ich den Menschen, die mit Sorgen und gesundheitlichen Problemen zu mir kommen, am besten helfen kann. Ich bin auch ein Suchender auf meinem eigenen Weg geblieben, obwohl ich mich auf diesem Weg zuhause fühle. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht vieles dazulernen darf. Es vergeht auch kein Tag, an dem mir weiter bewusst würde, wie groß und wie wunderschön diese Aufgabe ist, zu der ich finden durfte, mit der Bioenergie, der Kraft und Liebe Gottes, meinen Mitmenschen helfen zu dürfen.
Als ich Anfang zwanzig war und mein Abitur hinter mich gebracht hatte, stand für mich mein Wunschstudium fest. Ich wollte Design studieren. Nach meiner Wehrdienstzeit bewarb ich mich an der Universität und bekam nach einigem Warten auch den begehrten Studienplatz an der renommierten Folkwang Hochschule in Essen. Meine Studienleistungen waren stets gut bis sehr gut, nur meine Gesundheit ließ damals sehr zu wünschen übrig. In meiner Jugend, zwischen zwölf bis Anfang zwanzig hatte ich regelmäßig viel Sport getrieben und war in dieser Zeit gesundheitlich topfit gewesen. Erkältungen oder sonstige Krankheiten waren selten geworden. Dann begann mein Weg, auf dem ich mich mit verschiedenen Krankheiten herumplagte. Zunächst waren es nur chronische Magenbeschwerden und zunehmende Gelenkschmerzen, die mir das Sporttreiben versagten. Später kamen diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien, allergisches Asthma, chronische Müdigkeit und Schlafstörungen dazu. Natürlich habe ich dabei Ärzte verschiedener Fachrichtungen konsultiert, die mir stets weiterhelfen konnten. Doch einen wirklichen Durchbruch hatte es nie gegeben. Ich glaube heute auch nicht, dass es an der Fähigkeit der Ärzte gelegen hatte, die mich behandelten, sondern ich denke, dass meine körperlichen Leiden andere Ursachen im seelischen Bereich hatten. Ich war auch damals nicht wirklich der Ansicht gewesen, dass ich Gesundheit verdient hätte – mich plagten damals Schuldgefühle wegen einiger Fehler in meinem Leben, die ich mir nicht verzeihen konnte oder wollte.
Zum Ende meiner Odyssee hatte mich eine Krankheit erwischt, die auf der einen Seite äußerst schmerzhaft war, mit extremem Gewichtsverlust einherging und dazu noch schulmedizinisch nicht zu kurieren war. Wenn ich diese Geschichte aufschreibe, möchte ich nicht etwa Ihr Mitleid erringen, denn die Zeit der Krankheiten ist für mich Gott sei Dank vorbei. Vielmehr möchte ich Ihnen meine damalige Situation und Verfassung erläutern. Es war nun so, dass ich unter extremen Schlafstörungen litt. Ich fand jede Nacht nur zwei bis drei Stunden Schlaf, in denen ich nur leicht schlummerte und bei jedem Geräusch aufwachte. Während der Schlafphasen hatte ich oft unerträgliche Alpträume mit teilweise sehr verwirrendem Inhalt. Diese schlimmen Phasen fanden mit dem Tag ein Ende, als ich bei Gott um klare Träume bat. Überhaupt begann ich wieder damit, zu Gott zu beten. Ich hatte oft das Gefühl, ich würde in meinen Träumen Erlebnisse haben, die gar nicht zu mir gehörten.
Kindheitserlebnisse
In der Kindheit und Jugend hatte ich oft und viel gebetet. Ich wusste auch, dass Gott meine Gebete erhörte. Ich ging aber auch davon aus, dass Gott die Gebete aller Menschen erhört. – Für mein kindliches Gemüt war Gott eine Art von Allmacht oder Kraft, die sich gleichzeitig um alle Menschen und Lebewesen kümmerte. Betete ein Mensch oder versuchte, Gutes im Sinne Gottes zu tun, so dachte ich, war Gott stets an seiner Seite, um ihm oder ihr dabei beizustehen. Ängste kannte ich in meiner Kindheit viele, obwohl ich kein ängstliches Kind war. Nach Einbruch der Dunkelheit im Wald zu sein, machte mir sehr wenig aus. Während andere Menschen sich vor dem Gewitter fürchteten, hatte ich nicht die geringste Sorge, selbst bei einschlagenden Blitzen in der Natur zu sein. Ich hatte stets das Gefühl, von Gott behütet zu sein. Ich spürte dabei das Wetter sehr gut im Voraus. Ich dachte mir dabei, dass Wind und Wetter, die Natur und die Tiere da waren und Gott sich durch sie zeigte. Ich war gewohnt, auf diese Zeichen zu achten und richtete mich danach. So war ich mir sicher, dass mir nichts passieren konnte. Gott war ja an meiner Seite. Als Kind hatte ich einmal ein wunderbares Erlebnis. Ich ging damals regelmäßig zum Kindergottesdienst. Das war bei uns Sitte und für mich selbstverständlich. Am Tag vor dem großen Sommerfest, an dem die Kinder in Begleitung ihrer Eltern sich zu spielerischen Wettbewerben trafen, betrat ich den Festplatz und war dort ganz alleine. Die Luft flimmerte in der Mittagshitze und ich bemerkte etwas, was meine Neugier weckte. Es war ein Flimmern und Leuchten in der Luft, was ich zuvor nie bemerkt hatte, obwohl ich diesen Platz sehr gut kannte. Ich kam auf meinem Schulweg oft dort vorbei und freute mich an den schönen Bäumen, die dort wuchsen. Das Leuchten, das ich damals sah, war wie kleine Lichtpunkte, die bald in verschiedenen Farben schillerten, bald golden leuchteten und sich wie kleine Wesen bewegten. Ich hatte eine so große Freude daran, dass ich lange bis zum Abend dort blieb, die Zeit vergaß und das Leuchten bewunderte. Wenn ich mir die Lichtpunkte ansah, bewegten sie sich. Sie schienen auch auf meine Freude zu reagieren, als ob sie beginnen würden zu tanzen. Von diesem Erlebnis erzählte ich niemandem etwas. Ich war der festen Überzeugung, es wäre Gott oder ein Teil von ihm, den ich gesehen hatte. Danach bemerkte ich, dass ich dieses Flimmern öfters sah und dass es an verschiedenen Plätzen stärker oder schwächer war. Besonders dort, wo große Harmonie herrschte oder in der Kirche, wo ich die Menschen beten sah, sah ich es stärker. Es war die Zeit in meiner Kindheit, in der ich anfing, mich intensiv mit Gott und dem Glauben zu beschäftigen. Es war auch die Zeit, in der ich mich für das Raumfahrtprogramm der NASA, die Satteliten und alles, was den Weltraum betraf, sehr interessierte. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr hatte ich den Eindruck, dass die Menschen in dieser Zeit, in der ich geboren war, sich von Gott ferne fühlten und auf der Suche nach ihm waren. Dieser Umstand schmerzte mich am meisten. Ich war mir auch sicher, dass Gott den Menschen stets Botschaften zukommen ließ. Die Botschaft, so dachte ich damals, müsste doch diese sein, dass Gott für alle Menschen da ist und sich die Menschen nur dem Guten zuwenden müssten, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen. Ich sah damals auch, dass meine Klassenkameraden in ihren Leistungen sehr verschieden waren. Ich hatte bereits vor Beginn der Schule Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt, da ich meiner ein Jahr älteren Schwester stets bei den Hausaufgaben über die Schulter geschaut hatte. Meine Schulkameraden hatten diesen Vorteil vielleicht nicht gehabt. Doch bald bemerkte ich durch Besuche bei meinen Schulkameraden zuhause, dass bei ihnen eine sehr angespannte Atmosphäre herrschte. Die Eltern waren oft genervt oder schrieen ihre Kinder an. Je schlimmer die Atmosphäre dort war, so registrierte ich, desto mehr Schwierigkeiten hatten meine Schulkameraden in der Schule. Ich war damals und auch heute noch der festen Überzeugung, dass alle Menschen gleich intelligent wären. Bessere Schulleistungen hingen meiner Überzeugung nach nicht davon ab, ob jemand intelligenter war oder nicht, sondern von ganz anderen Faktoren. Warum Menschen einander hassten, war für mich damals völlig unverständlich. Ich war schon alleine durch meine Erziehung daran gewöhnt, schlechte Eigenschaften nicht aufkommen zu lassen. Bei alldem fehlte es mir vielleicht manchmal an Disziplin, denn ich hatte es in der Schule sehr leicht gehabt, gute Noten zu erreichen.
In manchem Gespräch mit meinen Schulfreunden tauschten wir uns über unsere Erlebnisse und Gefühle aus. Ich bemerkte bald, dass die Schulkameraden, deren Zuhause weniger Frieden bot, entweder ungern darüber sprachen oder bei dieser Gelegenheit gerne ihr Herz ausschütteten und sich dann erleichtert fühlten. Dass wir damals, wir waren ja erst zwischen sechs und zehn Jahren alt, keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen machten, war für mich selbstverständlich. Viele Dinge bemerkte ich damals bei meinen Mitmenschen, die mich sehr bewegten. Besonders die Anspannung der Erwachsenen und die Feindseligkeiten untereinander beschäftigten mich sehr. Ich bemerkte auch, dass meine Schulfreunde für die schlechten Eigenschaften von Älteren oder Erwachsenen anfälliger waren, die sie sich dann zum Vorbild machten. Obwohl wir uns auf dem Schulhof manchmal Kämpfe lieferten, gab es doch das ungeschriebene Gesetz unter uns, dass niemand einen anderen verletzen oder einem anderen weh tun durfte. Bald bemerkte ich auch, dass nicht alleine körperliche Schmerzen schlimm waren, sondern dass Hänseleien viel schlimmere Schmerzen verursachen konnten. Ich vermied dies unter allen Umständen.
Schulwechsel
Einen großen Einschnitt in meinem Leben gab es, als ich von der Grundschule aufs Gymnasium wechselte. Mein Verhältnis zu den Lehrern und meinen Mitschülern änderte sich schlagartig. Mit einer solchen Veränderung hatte ich zuvor niemals gerechnet. Unter meinen neuen Klassenkameraden gab es keine Freundschaften mehr, wie ich sie damals kannte. Es gab nur Konkurrenz. Unser Lernen war nur noch darauf abgestimmt, etwas zu wissen und dieses Wissen deutlich zu zeigen. Wer sich dabei besonders hervortat, war bei den Lehrern besonders beliebt. Ich mochte diese Art von Unterricht nicht. Ich mochte auch nicht die Art und Weise, in der meine Mitschüler miteinander umgingen. Ich vermisste meine alten Schulkameraden und meine alte Schule sehr. Noch weniger verstand ich, dass die älteren Schüler auf meiner neuen Schule die jüngeren sehr schlecht behandelten. Viele darunter waren nicht etwa ein Vorbild und halfen den jüngeren, sondern hänselten und schlugen die jüngeren öfter. Ich dachte mir dabei, dass all dies damit zu tun haben müsse, dass das Erwachsen werden zu solch schlechten Eigenschaften führen würde. Ich dachte mir auch dabei, dass die Erwachsenen den Kindern den Frieden neiden und sie deshalb schlecht behandelten. Ihre schlechten Eigenschaften, so dachte ich damals, kamen daher, dass sie mittlerweile in sich so viele Anspannungen und sowenig Spaß am Leben hätten, dass sie andere dafür schlecht behandelten. In meinem einfachen kindlichen Gemüt beschloss ich dann, wenigstens für andere den lustigen Clown zu spielen. So hatten die anderen etwas zu lachen und ich konnte meine Einsamkeit in dieser Schule gut überspielen. Ich zog mich sehr von anderen Kindern zurück und war dann viel allein. Ich verbrachte viel Zeit im Sommer in der Natur. Wenn ich zufällig einige alte Schulfreunde traf, war es manchmal wie in alten Zeiten. Doch bald merkte ich, dass auch sie begannen, sich zu verändern. – Bei alledem bemerkte ich noch nicht, dass auch ich begonnen hatte, mich zu verändern. Die Offenheit der Kindheit war einer gewissen Verschlossenheit und Skepsis, ja mehr Angst den anderen gegenüber gewichen. Die Sprache, so fand ich bald heraus, wurde von vielen wie ein zweischneidiges Schwert genutzt. Den Einen machte man sich zum Freund, um den Anderen als Feind zu vernichten. Bei alledem wurde ich zum Beobachter und zog mich immer mehr in mich zurück. Die Folge war, dass ich aufgrund meiner Clownrolle in der Schule oft Einträge im Klassenbuch und Verwarnungen wegen schlechten Betragens erhielt. Meine Clownrolle spielte ich so gut, dass ich selbst die Klassenarbeiten dazu nutzte, um über völlig verrückte Dinge zu schreiben. Das Ergebnis war, dass ich das Thema verfehlt hatte und eine sehr schlechte Note erhielt. Schließlich sprach meine Klassenlehrerin mit meiner Mutter und sie kamen überein, mir nahe zu legen, die erste Klasse auf dem Gymnasium zu wiederholen. Meine Klassenlehrerin staunte sehr, als meine Mutter ihr mein fehlerloses Hausaufgabenheft zeigte. Meine Mutter hingegen staunte sehr, als meine Lehrerin ihr von meinem unmöglichen Betragen in der Schule erzählte. Beide hatten den Eindruck, sie würden über zwei verschiedene Menschen reden. Ich hatte manches Mal selbst den Eindruck, auf dieser Welt nicht richtig zu sein.
Das neue Schuljahr begann nach den Sommerferien und ich hatte mit der Annahme dieser für mich schlimmen Erniedrigung auch angenommen, von nun an ein mustergültiger, disziplinierter Schüler zu sein. Ich hatte mir einen extra Merkzettel aus schwarzer Pappe angefertigt, auf dem ich mit Bleistift für andere unsichtbar geschrieben hatte, dass ich von nun an den Unterricht nie mehr stören wollte. Natürlich wollte ich in keinem Falle meine Mutter noch einmal enttäuschen. So wurde aus dem Clown ein ernsthafter Schüler. Und da ich diese Verwandlung gründlich durchführen musste, sprach ich kaum noch etwas. Stets überlegte ich mir genau meine Worte, bevor ich antwortete. Selbst mit meinen Schulkameraden wollte ich von nun an nicht mehr über mein Inneres sprechen. Mein Schmerz darüber, andere, besonders meine Eltern, so sehr enttäuscht zu haben, war zu groß, und mein Entschluss stand fest. Ich sollte von nun an ein disziplinierter Schüler sein, der gute Noten hatte und seinen Eltern keinen Kummer mehr machte. Das gelang mir anfangs sehr gut. Ich spielte meine Rolle perfekt. Niemand brachte mehr ein Gefühl aus mir heraus. Mein Gesprächspartner allein war nun Gott geworden. Ihm vertraute ich alles an. Ihn bat ich auch, mir in dieser schwierigen Zeit zu helfen. Und damals dachte ich mir, sollte ich Gott dafür, dass er mir bei der Erfüllung meines Planes helfen würde, eine Gegenleistung erbringen. Ich versprach ihm, wenn er mir helfen würde, gute Noten zu erbringen, würde ich die ganze Bibel lesen. Das erschien mir als Opfer und Dank genug zu sein. Und wie ich es wusste und dann auch erlebte, erfüllt Gott die Wünsche und erhört die Gebete. Ich wurde ein mustergültiger, braver Schüler mit den besten Leistungen und hatte alle meine Gefühle sehr gut im Griff. Nur wenn ich alleine war, war ich zufrieden. Hätte ich nicht meine Gebete zu Gott gehabt, wäre ich vielleicht verrückt geworden. Ich spürte in mir selbst einen großen Wiederwillen, diese Rolle zu spielen, denn es wurde immer schwerer, sich daraus zu lösen. Ich brauchte auch immer größere Phasen des Alleinseins, um im Gleichgewicht zu bleiben. Doch bald schon hatte ich eine Lösung für dieses Problem gefunden. Ein Schulkamerad schlug mir damals vor, sich im Langlaufen zu üben. Wir trafen uns zwei bis dreimal, dann hatte er bald die Lust daran verloren. Ich hingegen hatte entdeckt, dass mich der Sport, das schnelle Laufen, der Wind und die Nähe des Sees, an dem ich lief, ausgleichen konnte und zur Ruhe brachte. Ich verlangte bald meinem noch jungen Körper immer mehr ab, um in diesen Zustand der Ausgeglichenheit zu gelangen. Mit den Jahren, ich hatte mit zwölf Jahren mit dem Laufen begonnen, waren aus meinem täglichen Training zwei bis zweieinhalb Stunden Sport geworden. Ich war für mich selbst sehr ehrgeizig und steigerte meine Trainingsanstrengungen stetig. Den Wettkampf oder gar Mannschaftssportarten vermied ich jedoch streng. Ich liebte das Alleinsein in der Natur. Ich war ein guter Schüler mit sportlich sehr guten Leistungen geworden. Mein Köper war zum Ende meiner Schulzeit hervorragend trainiert - doch menschlich war ich sehr vereinsamt. Ich hatte zwar gute Freunde, mit denen ich mich öfters traf. Doch sprachen wir kaum über persönliches. Wenn doch jemand über seine Gefühle sprach, hörte ich nur zu, sprach jedoch nie über mich selbst. Mit den Jahren hatte ich auch vergessen, dass ich anfangs eine Rolle gespielt hatte. Die Rolle war zu meinem eigenen Selbst geworden. Das Leben hatte aufgehört, mir Lebensfreude zu schenken. Die Zeit meiner Kindheit, in der ich das wunderschöne Leuchten Gottes sah, war vorbei.
Ich glaube, dass manche Menschen, allen voran sicher meine Eltern und Geschwister, gespürt haben, dass mit mir etwas nicht stimmte. Doch konnte niemand die Mauer überwinden, die ich selbst aufgebaut hatte, um weiteren Verletzungen und Misserfolgen zu entgehen. Die Mauer, die ich aufgebaut hatte, hatte ich auch längst vergessen. Sie war mir zum Schutz geworden, den ich nicht mehr missen wollte. Sie gab mir Schutz vor zuviel Nähe. Sie gab mir Schutz davor, dass andere mich fragten, wie es mir ginge oder wie ich mich fühlte. Meine Gefühle waren Privatsache.
Im Verlaufe der Schulzeit, in der ich ein mustergültiger Schüler geworden war, hatte ich sehr oft schlimme Halsentzündungen mit schweren Halsschmerzen. Oft zog sich der anschließende Husten über lange Zeit hin. Anfangs bemerkte ich noch, dass ich, nachdem die Krankheit durchgestanden war, wieder offener und lebendiger wurde. Doch schon bald stellte sich wieder der alte Trott ein, sich möglichst still zu verhalten, um ein disziplinierter Schüler zu sein. Als Kind war mir auch bewusst, dass man einen Teil seiner Krankheiten selbst in der Hand hat. Hatte ich mal keine Lust, zur Schule zu gehen, stellte sich bald auch Fieber ein, dass ich zuhause bleiben musste. Meine Mutter muss das geahnt haben und hatte dann stets Verständnis und Zeit für mich gehabt. Bei soviel Verständnis und Liebe wurde ich auch meist schnell wieder gesund, da mir das Kranksein bald langweilig wurde. Wenn ich mich richtig erinnere, hat mir meine Mutter damals diese Zusammenhänge erklärt.
Ich möchte nun einen größeren Zeitsprung machen und bitte Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Verständnis dafür. Ich möchte Sie nicht weiter damit langweilen, welche Krankheiten ich dann genau wann bekommen hatte, sondern will in der Zeit fortfahren, in der sich für mich endlich die Lösung meines Problems zeigte.
Mit Anfang zwanzig, ich hatte meinen Entschluss, ein braver Schüler sein zu wollen, längst vergessen, begann mein armer Körper, sich intensiv gegen meine anfangs absichtlich und bewusste Unterdrückung aller Gefühle mit vielen Krankheiten zu wehren. Sie können in meiner Geschichte, so wie ich sie Ihnen erzählt habe, die Geschichte und Karriere einer meiner Blockaden erkennen, die meine Gesundheit sehr in Mitleidenschaft gezogen hat. Ich hatte damals, so würde ich heute sagen, zu wenig Weitsicht gehabt, um die Tragweite meiner Entscheidungen zu erkennen. Auch fehlte mir damals die Einsicht, dass man sich seine Fehler verzeihen soll, bevor man neu beginnen will oder eine wichtige Entscheidung im Leben trifft. Doch Gott sei Dank hat mich das Schicksal, mein Schutzengel oder der liebe Gott, wie auch immer Sie es nennen möchten, dorthin geführt, wo ich wieder Frieden mit Gott und mit mir selbst finden konnte. Im Jahre 1997, ich war bereits 32 Jahre alt, lernte ich meinen ersten Bioenergetiker Extrasens kennen. Doch ihm gegenüber hatte ich nicht genug Vertrauen, um mein selbstgewähltes Schweigen loszulassen. Die zweite Bioenergetikerin Extrasens lernte ich durch „Zufall“ kennen und verliebte mich unglücklich in sie. Wenigstens das brachte meine Gefühle in Bewegung und mich selbst so sehr in Bedrängnis, dass ich schließlich Hilfe bei meinem späteren Lehrer, Viktor Philippi, suchte. In ihm hatte ich meinen Meister und letztlich den Lehrer gefunden, der mir helfen sollte, nicht nur diese Blockade aus der Kindheit zu lösen, sondern es auch endlich zu schaffen, mir selbst meine Fehler, die ich im Leben begangen hatte, zu verzeihen. Und diese Begegnung war es auch, die mich an meine Kindheitserlebnisse anknüpfen ließ, in denen ich dieses Leuchten und Flimmern, was ich in meiner Kindheit gesehen hatte, wiederfand. Ich hatte das Feuer Gottes, das die Seele erhellt und zu befreien vermag, wiedergefunden. Es hatte mich wiedergewonnen. Gott und das Leben waren zu mir und ich zu ihnen zurückgekehrt. Die Lebensfreude kehrte mit der Gesundheit langsam zu mir zurück. Und nach vielen Jahren mit den verschiedenen Krankheiten erholten sich mein Körper und meine Seele endlich wieder. Den Menschen, den ich in der Kindheit verloren hatte, den ich glaubte hinter mir zurücklassen zu müssen und den ich verleugnet hatte, lernte ich langsam wieder kennen und schätzen. Ich vertraute nach und nach mehr meinen Gefühlen und musste lernen, was ich in den vielen Jahren versäumt hatte. Ich musste oder vielmehr durfte wieder lernen, zu fühlen oder vielmehr, meine Gefühle zuzulassen und sie auch anderen Menschen zu zeigen. Ich bin heute davon überzeugt, dass mich meine Krankheiten früher oder später das Leben gekostet hätten, denn wer viele Jahre ohne Gefühl, Liebe und Lebensfreude wie in einem Gefängnis lebt, dessen Seele wird eines Tages müde sein und sich danach sehnen, Frieden zu finden. Und Frieden, da bin ich mir sicher, findet man nur bei Gott. Und diesen Frieden, den ich meine und den ich heute Gott sei Dank mithilfe der Bioenergie, Viktor Philippi und auch vielen anderen lieben und guten Kollegen und Mitmenschen gefunden habe, diesen Frieden konnte ich nur in mir selbst finden. Und ich selbst, das kann ich heute und hier an dieser Stelle offen vor Ihnen zugeben, habe ihn nur durch die Hilfe und Vermittlung eines anderen Menschen finden dürfen. Meiner Meinung nach hat Gott ihn mir geschickt. Er hat mich an den Menschen erinnert, der ich einst war. Er hat mir den Frieden zurückgebracht, den ich einst aus Unkenntnis und falschem Ehrgeiz und Kränkung und Verletzung heraus verleugnet habe. Und er hat dies, das kann ich Ihnen auch heute sagen, denn ich darf heute auch mit diesen wunderbaren Kräften arbeiten, nur dadurch erreicht, dass er mir die Liebe Gottes und das Leben zurückgegeben hat, das ich selbst abgelehnt habe. Dabei mag er manchen Kampf gegen meine Blockaden, gegen meinen Dickkopf und fehlgeleiteten Willen gekämpft haben. An seiner Seite standen dabei die Liebe, viel Verständnis und noch mehr Geduld und der Glaube an Gott und auch der Glaube an das Gute in mir, den ich längst verloren hatte. Mein Dank gilt ihm und mein Dank gilt Gott, der mir geholfen hat. Heute weiß ich, dass das Leuchten und Flimmern auf dem Kirchplatz die Kraft Gottes war. Es waren die Engel, die er mir gesandt hat und die am Spiel mit mir ihre Freude hatten, so wie ich meine Freude hatte, sie zu sehen. Damals war mir vieles nicht bewusst, was mir heute bewusst werden konnte. Vieles habe ich dabei von meinem Lehrer gelernt und von seiner großen Erfahrung, die er immer gerne weitergegeben hat. Mein Dank an ihn und an Gott besteht darin, dass ich die größte Freude und Erfüllung darin gefunden habe, anderen Menschen dabei zu helfen, dass ihre Seele sich von Blockaden befreit. Heute weiß ich, dass die schlechten Eigenschaften der Menschen durch ihre Blockaden hervorgerufen werden. So wie ich selbst verstockt und ablehnend war, so wie ich selbst andere ohne Absicht verletzt habe, um nicht selbst verletzt zu werden, so geht es auch anderen Menschen. Der Wunsch aus meinen Kindertagen ist mit der Ausbildung zum Biosens in Erfüllung gegangen. Denn heute kann ich meinen Mitmenschen dabei helfen, diesen Frieden und die Harmonie in sich selbst wiederzufinden, die ich selbst in meiner Kindheit verloren hatte und mehr als zwanzig Jahre meines Lebens so schmerzlich vermisst habe. Doch heute bin ich auch sehr dankbar für diese Zeit, in der ich Krankheit, Leid und Schmerzen kennen lernen durfte, denn diese Zeit hat mich so viel gelehrt und in mir letztlich so tiefe Erkenntnisse hinterlassen, dass ich die Menschen, die heute mit ihren Schmerzen und Leiden zu mir geführt werden, besser verstehen und ihnen besser helfen kann. Für die vielen Ängste und Sorgen meiner Klienten finde ich leicht eine Resonanz in mir, denn ich kann ihren Zustand sehr gut nachfühlen. Ich kenne den Eingang in diese Welt des Leidens, aber Gott sei Dank habe ich auch den Ausweg daraus finden dürfen. Ihn darf ich meinen Mitmenschen heute zeigen.
Schlussworte
Ich wünsche Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie ihre Blockaden loslassen und verlieren mögen. Wenn Sie sich durch meinen Artikel angesprochen fühlen, wenden Sie sich vertrauensvoll an einen meiner Kolleginnen und Kollegen, die Ihnen dabei helfen können, den Menschen wiederzufinden, den vielleicht auch Sie einst verloren haben. Grämen Sie sich bitte nicht darüber, wenn ihre Kindheit anders als meine verlaufen ist. Vielleicht waren Sie bereits als kleines Kind schwerkrank. Vielleicht wurden Sie auch häufig gehänselt. Möglicherweise waren Sie auch unglücklich verliebt oder suchen noch heute nach der Liebe, die Ihnen Erfüllung bringen kann. Doch gleich, wie Ihr Leid aussehen mag, seien Sie gewiss, dass es kein Leid auf dieser Welt gibt, aus der es nicht auch mindestens einen Ausweg gibt. Und vielleicht ist gerade mein Artikel ein Anlass für Sie, sich auf den Weg zurück zu sich selbst zu machen. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen viel Erfolg dabei, und bedanke mich bei Ihnen dafür, dass Sie Interesse an meiner kleinen Geschichte hatten. Möge sie Ihnen auf Ihrem Weg helfen und mögen sich Ihre Blockaden so rasch wie möglich auflösen.
Es grüßt Sie von ganzem Herzen, Ihr Jörg Lehnert
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